Im HeyGen-Tarif Creator für 29 US-Dollar im Monat stecken 600 Credits. Mit dem Avatar-Modell III sind das 150 Videominuten, mit Avatar V nur 12,5 Minuten – bei identischem Preis. Genau dieser Faktor 12 entscheidet darüber, ob KI-Avatar-Videos für Ihr Marketing günstig oder teuer sind. Ich nutze HeyGen selbst für Pitch-Videos und habe für diesen Beitrag Funktionsumfang, Credit-System, Preise 2026, Alternativen und die seit dem 2. August 2026 geltende Kennzeichnungspflicht durchgearbeitet. Alle Preisangaben stammen von den Anbieterseiten, abgerufen am 5. September 2026.
Was HeyGen macht – Avatare, Voice Cloning, Übersetzung, Interactive Avatars
HeyGen ist ein Werkzeug, mit dem aus einem Skript ein Video wird, in dem ein digitaler Mensch spricht. Sie tippen den Text, wählen einen Avatar und eine Stimme, und nach wenigen Minuten liegt eine MP4-Datei bereit. Vier Bausteine sind für den Mittelstand relevant.
Avatare. HeyGen wirbt mit über 1.100 Stock-Avataren, die laut Anbieter für die kommerzielle Nutzung freigegeben sind. Daneben gibt es den Photo Avatar, der aus einem einzigen frontalen Foto einen sprechenden Kopf erzeugt, und den Custom Avatar beziehungsweise digitalen Zwilling, für den etwa 30 Sekunden Videoaufnahme genügen. HeyGen betont, dass eigene Avatare zum Workspace des Kunden gehören und nicht zu HeyGen, und dass sie eine geprüfte Einwilligung der nachgebildeten Person voraussetzen. Technisch stehen drei Modellgenerationen nebeneinander: Avatar III, Avatar IV und Avatar V. Avatar V beschreibt HeyGen als digitale Zwillinge mit konsistentem Charakter über Blickwinkel und Mimik hinweg. Diese Generationen sind der Kostenhebel, dazu gleich mehr.
Voice Cloning. Die Stimme lässt sich aus einer kurzen Aufnahme klonen, laut Anbieterseite ausdrücklich nur mit Erlaubnis der Person. Ergänzend gibt es Werkzeuge namens Voice Director und Voice Mirroring für die Feinsteuerung von Betonung und Sprechweise. Das Sprachmodell der API heißt Starfish. Eine offiziell bezifferte Mindestlänge des Sprach-Samples habe ich auf den abgerufenen Seiten nicht gefunden.
Video-Übersetzung. Sie laden ein bestehendes Video hoch oder verlinken ein YouTube-Video, und HeyGen erzeugt daraus eine Fassung in einer anderen Sprache, inklusive angepasster Lippenbewegung und erhaltener Stimmfarbe. Der Anbieter nennt 175 und mehr Sprachen und Dialekte. In der API gibt es dafür zwei Modi, Speed und Precision, die sich in Preis und Qualitätsanspruch unterscheiden. Im kostenlosen Tarif sind Übersetzungen auf drei Videos pro Monat mit maximal drei Minuten Länge begrenzt.
Interactive Avatars. Der Echtzeit-Teil läuft inzwischen unter dem eigenen Namen LiveAvatar; der alte Link heygen.com/interactive-avatar leitet dorthin weiter. Angeboten werden 1080p-Avatare mit unbegrenzter Parallelität, erste Bilder laut Anbieter in unter 300 Millisekunden und eine zugesagte API-Verfügbarkeit von 99,99 Prozent. Man kann den kompletten Sprachstack von HeyGen nutzen oder nur den Avatar und eigenes Sprachmodell und eigene Sprachausgabe anbinden. Das ist die Grundlage für Beratungs-Bots und Onboarding-Assistenten mit Gesicht.
Dazu kommen Funktionen, die im Alltag Zeit sparen: automatische Untertitel, B-Roll-Einbindung, Bewegungsgrafiken, Gesten-Steuerung, ein Video Agent, der aus einem einzigen Prompt ein fertiges Video baut, eine Vorlagenbibliothek, KI-Clipping samt Füllwort-Entfernung sowie Rendering mit transparentem Hintergrund. Für Entwickler gibt es eine REST-API mit Batch-Endpunkten für bis zu 100 Anfragen pro Aufruf, Webhooks, eine MCP-Anbindung für KI-Agenten und eine CLI. Wer Bildmaterial für solche Videos ergänzen will, findet in meinem Beitrag über KI-Bilder erstellen den passenden zweiten Baustein.
Das Credit-System verstehen – der eigentliche Preistreiber
HeyGen rechnet nicht in Videominuten ab, sondern in Credits. Wie viele Credits eine Minute kostet, hängt davon ab, welches Avatar-Modell Sie wählen. Das ist der Punkt, an dem die meisten Testberichte aufhören – und genau dort fängt die Kalkulation an.
Die vollständige Liste sieht so aus, und sie enthält neben den Avataren auch die Übersetzung und den Video Agent:
| Leistung | Credits pro Minute | Minuten aus 600 Credits (Creator) |
|---|---|---|
| Podcast / Batch | 3 | 200 |
| Avatar III – Video Look | 4 | 150 |
| Video-Übersetzung ohne Lip-Sync | 4 | 150 |
| Video-Übersetzung, Speed Mode | 6 | 100 |
| Avatar III – Photo Look | 7 | 85,7 |
| Video-Übersetzung, Precision Mode | 10 | 60 |
| Avatar IV – Photo Look | 16 | 37,5 |
| Avatar IV – Video Look | 31 | 19,4 |
| Video Agent, Standard | 40 | 15 |
| Avatar V – Photo und Video Look | 48 | 12,5 |
| Video Agent, Seedance | 120 | 5 |
Hinzu kommen Credits, die nicht nach Minuten abgerechnet werden: Das Training eines eigenen KI-Modells kostet 60 Credits pro Durchgang, ein generiertes Bild 2 Credits, eine generierte Look-Variante 1 Credit. Videoclips aus den angebundenen Generatoren schlagen mit 60 bis 150 Credits (Seedance2) beziehungsweise 90 Credits (Veo3) pro Video zu Buche. Wer also drei Avatar-Varianten testet, zwei Modelle trainiert und ein paar Hintergrundbilder erzeugt, hat sein Monatsbudget angeknabbert, bevor das erste Video fertig ist.
Immerhin verfallen ungenutzte Credits nicht sofort: Bei monatlicher Zahlung wandern sie in den folgenden Abrechnungszeitraum, also maximal 60 Tage weit. Bei Jahreszahlung sammeln sie sich bis zum Verlängerungsdatum an.
Die Rechnung, die vor dem Abo kommt
Nehmen Sie Ihren realistischen Monatsbedarf an fertigen Videominuten, multiplizieren Sie ihn mit den Credits des Modells, das Sie qualitativ brauchen, und rechnen Sie 20 bis 30 Prozent für Testläufe, verworfene Takes und Bildgenerierung obendrauf. Erst diese Zahl vergleichen Sie mit den Credits der Tarife. Ein Beispiel: acht Videos à zwei Minuten sind 16 Minuten. In Avatar V sind das 768 Credits – der Creator-Tarif mit 600 Credits reicht dafür nicht, der Pro-Tarif mit 1.000 Credits schon.
Die Preise 2026: Free, Creator, Pro, Business, Enterprise – und die API
Der in älteren Testberichten oft genannte Tarif „Team" existiert unter diesem Namen nicht mehr. Die aktuelle Staffel lautet Free, Creator, Pro, Business und Enterprise; der Team-Anwendungsfall steckt im sitzplatzbasierten Business-Tarif.
| Plan | Preis pro Monat | Credits | Max. Videolänge | Auflösung | Wasserzeichen | Avatare |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Free | 0 US-Dollar | nutzungsbasiert, keine Credits ausgewiesen | 3 Videos pro Monat, max. 1 Min. | bis 1080p | ja | 1 eigener, über 500 Stock |
| Creator | 29 US-Dollar (24 bei Jahreszahlung) | 600 | bis 30 Min. | 1080p | nein | 1 eigener, über 700 Stock |
| Pro | 49 US-Dollar | 1.000 | bis 30 Min. | 4K | nein | 1 eigener, über 700 Stock |
| Business | 149 US-Dollar plus 20 je Sitz | 1.500 | bis 60 Min. | 4K | nein | 5 eigene und mehr |
| Enterprise | auf Anfrage | flexibel | kein Maximum | 4K | nein | 10 eigene und mehr |
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens: Die Jahrespreise für Pro und Business sind auf der Preisseite nicht beziffert, HeyGen schreibt nur allgemein, dass Jahreszahler einen niedrigeren effektiven Monatspreis haben. Prüfen Sie das im Checkout. Zweitens: Die ausdrückliche Zusage zur kommerziellen Nutzung findet sich auf der Preisseite nur beim Enterprise-Plan. Für die Stock-Avatare heißt es an anderer Stelle, sie seien für die kommerzielle Nutzung freigegeben. Wer Videos in bezahlter Werbung ausspielt, sollte diesen Punkt vor dem Start in den Nutzungsbedingungen nachlesen.
Interessant wird die Tabelle erst, wenn man die Credits in Minuten umrechnet. Das folgende Diagramm zeigt, wie viel Video wirklich in jedem Plan steckt, je nachdem ob Sie sparsam oder in der besten Qualitätsstufe produzieren.
Daraus folgt der effektive Minutenpreis, und der ist die einzige Zahl, mit der sich seriös planen lässt:
| Plan | Preis pro Monat | Minuten mit Avatar III | Preis je Minute | Minuten mit Avatar V | Preis je Minute |
|---|---|---|---|---|---|
| Creator | 29 US-Dollar | 150 | 0,19 US-Dollar | 12,5 | 2,32 US-Dollar |
| Pro | 49 US-Dollar | 250 | 0,20 US-Dollar | 20,8 | 2,35 US-Dollar |
| Business | 149 US-Dollar (1 Sitz) | 375 | 0,40 US-Dollar | 31,3 | 4,77 US-Dollar |
Die API rechnet vollkommen anders ab: nach Ausgabesekunden, aus einem vorausbezahlten Guthaben, ohne Monatsabo. Der Einstieg ist laut Dokumentation ab 5 US-Dollar möglich, gleichzeitig laufen dürfen maximal zehn Jobs.
| API-Leistung | Preis je Sekunde | Preis je Minute |
|---|---|---|
| Video-Generierung (Avatar, Digital Twin, Photo Avatar) | 0,10 US-Dollar | 6,00 US-Dollar |
| Video-Übersetzung, Precision Mode | 0,10 US-Dollar | 6,00 US-Dollar |
| Overdub, Precision Mode | 0,10 US-Dollar | 6,00 US-Dollar |
| Video-Übersetzung, Speed Mode | 0,05 US-Dollar | 3,00 US-Dollar |
| Overdub, Speed Mode | 0,05 US-Dollar | 3,00 US-Dollar |
| Video Agent, Prompt to Video | 0,0333 US-Dollar | rund 2,00 US-Dollar |
| Text-to-Speech (Starfish) | 0,000333 US-Dollar | rund 0,02 US-Dollar |
| Avatar-Erstellung (Digital Twin oder Photo Avatar) | 1 US-Dollar je Vorgang | |
Der Vergleich ist bemerkenswert: 6 US-Dollar pro Minute über die API stehen 0,19 US-Dollar pro Minute im Creator-Abo gegenüber, wenn Sie dort mit Avatar III arbeiten. Das ist Faktor 31. Die API ist gedacht für Automatisierung und Massenproduktion, nicht als günstigerer Weg zum einzelnen Video. Wer ernsthaft Volumen über die Schnittstelle fahren will, sollte vor der Integration mit dem Vertrieb über Enterprise-Konditionen sprechen. Für die Preise der interaktiven LiveAvatar-API gilt: Auf der Produktseite steht, die Raten sänken in der höchsten Volumenstufe auf 0,01 US-Dollar pro Minute, eine vollständige Preistabelle war nicht abrufbar. Diese Zahl ist damit unsicher und sollte direkt beim Anbieter geprüft werden.
Wie gut ist das deutsche Ergebnis?
Hier muss ich sauber trennen, denn belastbare Messwerte zur deutschen Sprachausgabe habe ich für diesen Beitrag nicht erhoben. Was sich belegen lässt, sind Herstellerangaben und ein struktureller Vergleich.
Herstellerangabe: HeyGen spricht von 175 und mehr Sprachen und Dialekten, von perfekter Lippensynchronität und von einer Genauigkeit auf Phonem-Ebene über alle unterstützten Sprachen hinweg. Beim Voice Cloning heißt es, Tonfall und Vortragsstil blieben über alle Sprachen hinweg erhalten. Das sind Marketingformulierungen des Anbieters, keine gemessenen Werte.
Was sich daraus ableiten lässt: Die Sprachabdeckung ist im Vergleichsfeld die breiteste. Synthesia nennt 160 und mehr Sprachen, D-ID 120 und mehr, Tavus 42 und mehr. Deutsch ist bei allen dabei, das ist keine Auszeichnung. Interessanter ist, dass HeyGen zwei Übersetzungsmodi anbietet, Speed und Precision, und dass der Precision Mode in der API doppelt so teuer ist wie Speed. Ein Anbieter, der einen Qualitätsmodus separat bepreist, sagt damit implizit, dass der schnelle Modus nicht immer reicht. Für deutsche Inhalte mit Komposita, Fachbegriffen und Eigennamen ist das ein Hinweis, den ich ernst nehme.
Meine Einschätzung als Nutzer, ausdrücklich ohne Messung: Ich setze HeyGen für Pitch-Videos ein. Für kurze, klar geschriebene deutsche Skripte in Standardsprache funktioniert das Ergebnis für mich gut genug, um es zu verschicken. Kritisch werden erfahrungsgemäß drei Dinge: Zahlen und Einheiten, die falsch betont werden, englische Fachbegriffe im deutschen Satz, und lange Schachtelsätze, in denen die Sprechmelodie flach wird. Wer das prüfen will, kommt an einem eigenen Test nicht vorbei.
- Testskript mit Ihrem echten Vokabular schreiben: Produktnamen, Abkürzungen, Ortsnamen, Preise und Prozentwerte hineinnehmen. Genau daran scheitern Sprachmodelle, nicht an einfachen Sätzen.
- Denselben Text in beiden Übersetzungsmodi rendern und den Unterschied selbst beurteilen, statt der Modusbeschreibung zu vertrauen.
- Mit Ton auf dem Smartphone prüfen, nicht am Studiomonitor. Dort wird das Video später gesehen.
- Drei Personen aus der Zielgruppe ohne Vorwarnung schauen lassen und fragen, was ihnen aufgefallen ist. Wenn zuerst die Lippen genannt werden, ist das Video noch nicht fertig.
- Kurze Sätze schreiben. Der größte Qualitätshebel liegt nicht im Modell, sondern im Skript.
Alternativen: Synthesia, D-ID, Colossyan, Tavus, ElevenLabs
HeyGen ist nicht für jeden Zweck die richtige Wahl. Fünf Anbieter kommen für den Mittelstand ernsthaft infrage, und sie lösen unterschiedliche Aufgaben.
| Anbieter | Einstieg pro Monat | Kernfunktion | Stärke | Schwäche | Daten und DSGVO |
|---|---|---|---|---|---|
| HeyGen | 29 US-Dollar (Creator), 600 Credits | Avatar-Videos plus Übersetzung in 175+ Sprachen | Breitester Funktionsumfang, höchste Sprachzahl, transparente Pay-as-you-go-API | Credit-System schwer kalkulierbar, Business ab 149 US-Dollar plus Sitzplätze teuer | USA (AWS), SOC 2 Type II, EU-DPO, DPF, SCC, keine EU-Datenresidenz |
| Synthesia | 29 US-Dollar (Starter), jährlich 18 | Skript zu Video, 240+ Avatare, 160+ Sprachen | In Videominuten kalkulierbar, günstigster Jahrespreis, Live-Consent-Prüfung | Eigene Avatare und API erst ab Creator für 89 US-Dollar | Trust Center vorhanden, Zertifikate und Datenresidenz nicht auslesbar, unsicher |
| Colossyan | 59 US-Dollar (Professional) | Lernvideos, interaktive Videos, SCORM-Export | Einziger mit SCORM und LMS-Anbindung, EU-Datenresidenz im Enterprise-Plan | Teuerster Einstieg, sehr kleines NEO2-Kontingent, nur 5 Stimmen | EU- oder US-Datenresidenz, aber nur Enterprise |
| Tavus | 22 US-Dollar (Starter Developer) | Echtzeit-Dialog-Avatare per API | Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis für Gesprächs-Avatare, saubere Volumenstaffel | Kein klassisches Marketingvideo-Werkzeug, nur 42+ Sprachen, entwicklerlastig | SOC 2 und HIPAA nur Enterprise, keine EU-Residenz belegbar, unsicher |
| ElevenLabs | 6 US-Dollar (Starter) | Text-to-Speech, Voice Cloning, Dubbing | Günstigster Einstieg, kommerzielle Lizenz ab 6 US-Dollar, sehr gute Stimmqualität | Kein vollwertiger Avatar-Video-Editor, also kein direkter Ersatz | Trust Center vorhanden, Zertifikate und Hosting nicht auslesbar, unsicher |
| D-ID | rund 4,70 US-Dollar (Lite), unsicher | Foto zu Sprechkopf, Visual AI Agents | Günstigster Einstieg im Feld, guter Foto-zu-Video-Weg, ausgereifte Echtzeit-API | Ausgabe bis 1280 mal 1280 Pixel, maximal 5 Minuten Videolänge, Preisseite nicht auslesbar | Keine konkreten Angaben zu DSGVO, SOC 2 oder Hosting belegbar |
Zwei Hinweise zur Einordnung. Die D-ID-Preise stammen aus einer Drittquelle mit Seitenstand Juni 2026, weil die offiziellen Preisseiten am 5. September 2026 nicht auslesbar waren; behandeln Sie sie als Richtwert und fragen Sie beim Anbieter nach. Und Synthesia hat beim Thema Einwilligung das strengere Verfahren: Dort ist eine Live-Verifikation vor der Kamera vorgeschrieben, die sich weder hochladen noch umgehen lässt. HeyGen akzeptiert ein hochgeladenes Consent-Video. Wenn Sie Avatare von mehreren Mitarbeitenden anlegen und den Prozess revisionsfest dokumentieren müssen, ist das ein echtes Argument.
Datenschutz und Recht: Server in den USA, Kennzeichnungspflicht seit August 2026
Dieser Abschnitt ist kein Rechtsrat. Er fasst zusammen, was ich aus den Quellen belegen kann, und markiert, was Sie juristisch prüfen lassen sollten.
Wo die Daten liegen
HeyGen schreibt auf der eigenen Sicherheitsseite unmissverständlich, dass alle Kundendaten in den Vereinigten Staaten auf AWS-Infrastruktur gespeichert werden. Dem stehen ordentliche Compliance-Bausteine gegenüber: SOC 2 Type II, angegebene DSGVO-Konformität mit einem Datenschutzbeauftragten mit Sitz in Europa, Zertifizierung nach dem EU-US Data Privacy Framework und EU-Standardvertragsklauseln. Es gibt eine öffentliche Liste der Unterauftragsverarbeiter, Löschung nach der vertraglichen Aufbewahrungsfrist oder auf Kundenwunsch und Datenrückgabe in einem gängigen Format bei Vertragsende.
Was es nicht gibt, ist eine EU-Datenresidenz. Für Unternehmen, deren Konzernrichtlinie oder Branchenaufsicht die Datenhaltung in der EU vorschreibt, ist das ein Ausschlusskriterium – und zwar unabhängig davon, wie gut die Videos aussehen. Im gesamten Vergleichsfeld bietet nur Colossyan eine EU-Datenresidenz an, und auch nur im Enterprise-Plan. Wer eine solche Vorgabe hat, sollte diese Frage vor dem Toolvergleich klären, nicht danach.
Artikel 50 der KI-Verordnung gilt seit dem 2. August 2026
Das ist die wichtigste Änderung für alle, die KI-Avatare in der Außenkommunikation einsetzen. Die Kennzeichnungspflicht liegt nicht mehr in der Zukunft, sie ist anwendbar. Betreiber von KI-Systemen, die Deepfakes erzeugen, müssen offenlegen, dass der Inhalt künstlich erzeugt oder manipuliert wurde. Entscheidend ist der Wortlaut zum Zeitpunkt: Die Information ist den betroffenen Personen „in klarer und unterscheidbarer Weise spätestens zum Zeitpunkt der ersten Interaktion oder Exposition" zu geben.
Übersetzt in die Videopraxis heißt das: Der Hinweis gehört an den Anfang des Videos oder dauerhaft ins Bild. Nicht in den Abspann, nicht in die Videobeschreibung unter dem Player, nicht in die Datenschutzerklärung. Und „klar und unterscheidbar" schließt einen Fünf-Pixel-Fußzeilentext aus. Ausnahmen bestehen für Strafverfolgung sowie für künstlerische, kreative, satirische und fiktionale Werke, aber auch dort muss in angemessener Weise auf die Manipulation hingewiesen werden. Ein Werbevideo für ein Mittelstandsunternehmen fällt unter keine dieser Ausnahmen. Kommt ein Chatbot mit Avatar hinzu, greift zusätzlich die Transparenzpflicht bei der Interaktion: Der Nutzer muss wissen, dass er mit einer KI spricht.
Offene Punkte, die ich nicht verifizieren konnte
Ob HeyGen ausgehende Videos maschinenlesbar als KI-generiert markiert, etwa über C2PA-Provenienzmetadaten, wird in der Moderationsrichtlinie nicht erwähnt. Mit Blick auf die Anbieterpflichten aus Artikel 50 ist das eine offene Frage, die Sie mit einem Testvideo und einem Blick in die Metadaten selbst beantworten können. Ebenfalls nicht recherchiert: der konkrete Bußgeldrahmen und die deutschen Marktüberwachungszuständigkeiten zur KI-Verordnung.
Persönlichkeitsrecht am eigenen Bild
Wenn Sie den Geschäftsführer oder Mitarbeitende als Avatar nachbauen, entsteht ein Bildnis dieser Person. HeyGen verlangt dafür ein Consent-Video mit einem vorgegebenen Einwilligungssatz, derselben Person wie im Trainingsmaterial, genau einem sichtbaren Gesicht und klar hörbarem Ton; der Satz darf in jede Sprache übersetzt werden. Die Moderationsrichtlinie ist deutlich: Ohne ausdrückliche Einwilligung ist das Erstellen von Avataren anderer Personen streng verboten, und die dargestellte Person kann die Entfernung ihres Abbilds jederzeit verlangen. Avatare von Prominenten oder Personen des öffentlichen Lebens ohne deren Einwilligung sind ebenfalls untersagt. Bemerkenswert für Verbände, Kammern und politiknahe Kommunikation: HeyGen verbietet politische Inhalte ausdrücklich, also Material zu politischen Meinungen, politischen Themen oder zur Förderung von Parteien und Kandidaten.
Die deutsche Rechtslage kommt oben drauf. Die folgenden Punkte habe ich nicht über Quellenabrufe belegt, sie sind als Prüfliste für Ihren Fachanwalt für IT- und Medienrecht zu verstehen, nicht als Rechercheergebnis:
- Recht am eigenen Bild: Die Verbreitung von Bildnissen bedarf grundsätzlich der Einwilligung der abgebildeten Person. Ein fotorealistischer Avatar ist ein solches Bildnis.
- Biometrische Daten: Gesichts- und Stimmdaten zur eindeutigen Identifizierung sind besonders geschützt; für die Avatar-Erstellung braucht es eine tragfähige Rechtsgrundlage.
- Im Beschäftigungsverhältnis: eine freiwillige, schriftliche und jederzeit widerrufliche Einwilligung, die auch regelt, was nach dem Ausscheiden mit dem Avatar und mit bereits produzierten Videos passiert.
- Stimme: Für das Voice Cloning gilt dasselbe Einwilligungserfordernis wie für das Bild.
- Mitbestimmung: Beim Einsatz im Unternehmen kann ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats bestehen.
Meine Empfehlung aus der Praxis: Regeln Sie das einmal sauber in einer kurzen Avatar-Vereinbarung, bevor der erste Avatar entsteht. Zweck, Nutzungsdauer, Widerruf, Umgang nach dem Ausscheiden – eine Seite genügt. Das ist deutlich billiger als eine nachträgliche Diskussion mit einem Mitarbeiter, dessen Gesicht seit zwei Jahren in einem Erklärvideo spricht.
Für wen sich das lohnt – und wofür ich weiterhin eine Kamera nehme
HeyGen rechnet sich dort, wo Video bisher am Aufwand gescheitert ist: bei wiederkehrenden, textlastigen Formaten in mehreren Sprachen. Konkret sehe ich vier Fälle, in denen sich der Aufwand für den Mittelstand trägt.
- Mehrsprachige Produkt- und Anwendungsvideos: Ein deutsches Original, daraus fünf Sprachfassungen. Genau hier ist die Übersetzung mit Lippensynchronität den Preis wert, denn die Alternative sind fünf Drehs oder fünf Untertitelspuren.
- Interne Schulung und Onboarding: Inhalte, die sich jedes Quartal ändern und die niemand jedes Quartal neu drehen will. Wer dafür ein LMS befüllen muss, sollte allerdings Colossyan mit SCORM-Export danebenlegen.
- Vertriebs- und Pitch-Videos: Kurze, personalisierte Videos in Anzahl. Das ist der Fall, für den ich HeyGen selbst nutze.
- Erklärstrecken im Support: Antworten auf die immer gleichen 20 Fragen, in Videoform, aktualisierbar durch eine Textänderung.
Und wofür ich weiterhin eine Kamera nehme: für alles, was Vertrauen aufbauen soll. Kundenstimmen, Imagefilme, Aufnahmen aus der Produktion, das Gespräch mit der Geschäftsführung zu einem heiklen Thema. Ein KI-Avatar überträgt keine Glaubwürdigkeit, er überträgt Text. Sobald ein Video Nähe erzeugen soll, ist ein echter Mensch mit einem echten Raum im Rücken jedem Avatar überlegen – und seit August 2026 steht ohnehin ein Kennzeichnungshinweis am Anfang, der die Illusion beendet, bevor sie entsteht. Genau deshalb ist die Kennzeichnung kein Nachteil, sondern eine Entscheidungshilfe: Wenn ein Format den Hinweis „KI-generiert" nicht verträgt, war es das falsche Format für einen Avatar.
Preislich lautet mein Rat für den Einstieg: Creator für 29 US-Dollar, konsequent mit Avatar III arbeiten, 150 Minuten pro Monat sind mehr, als die meisten Marketingabteilungen im ersten Jahr veröffentlichen. Wer die höchste Qualitätsstufe braucht, muss wissen, dass er dann bei 12,5 Minuten liegt und in Pro oder Business wechseln muss. Und wer die Datenhaltung in der EU vorgeschrieben bekommt, hört an dieser Stelle auf und spricht mit Colossyan über einen Enterprise-Vertrag.
Häufige Fragen
Was kostet HeyGen?
Der Einstiegstarif Creator kostet 29 US-Dollar pro Monat, bei jährlicher Zahlung 24 US-Dollar pro Monat, und enthält 600 Credits, 1080p und kein Wasserzeichen. Darüber liegen Pro mit 49 US-Dollar (1.000 Credits, 4K) und Business mit 149 US-Dollar plus 20 US-Dollar je zusätzlichem Sitzplatz (1.500 Credits). Enterprise-Konditionen gibt es nur auf Anfrage. Über die API zahlen Sie nutzungsbasiert 0,10 US-Dollar je Ausgabesekunde, also 6 US-Dollar pro Videominute. Stand der Preise: 5. September 2026.
Ist HeyGen kostenlos nutzbar?
Ja, es gibt einen dauerhaft kostenlosen Tarif, der aber eng begrenzt ist: drei Videos pro Monat mit maximal einer Minute Länge, ein eigener Avatar plus über 500 Stock-Avatare, Auflösung bis 1080p und ein Wasserzeichen im Bild. Für einen ersten Qualitätstest reicht das. Für den produktiven Marketing-Einsatz nicht, weil das Wasserzeichen bleibt und die Preisseite für die Selfservice-Tarife keine ausdrückliche Zusage zur kommerziellen Nutzung enthält.
Wie viele Sprachen unterstützt die Video-Übersetzung von HeyGen?
HeyGen gibt 175 und mehr Sprachen und Dialekte an. Das ist die höchste Sprachzahl im Vergleichsfeld: Synthesia nennt 160 und mehr, D-ID 120 und mehr, Tavus 42 und mehr. Deutsch gehört zu den unterstützten Sprachen. Wie gut das deutsche Ergebnis im Einzelfall klingt, lässt sich aus dieser Zahl nicht ableiten, dafür braucht es einen eigenen Test mit Ihrem Fachvokabular.
Muss ich KI-generierte Videos kennzeichnen?
Ja. Artikel 50 der KI-Verordnung gilt seit dem 2. August 2026 und ist damit bereits anwendbar. Wer KI-Systeme einsetzt, die Deepfakes erzeugen, muss offenlegen, dass der Inhalt künstlich erzeugt oder manipuliert wurde, und zwar in klarer und unterscheidbarer Weise spätestens zum Zeitpunkt der ersten Interaktion oder Exposition. Der Hinweis gehört damit an den Anfang des Videos oder dauerhaft ins Bild, nicht in den Abspann und nicht nur in die Videobeschreibung. Das ist kein Rechtsrat.
Darf ich einen Avatar von meinem Geschäftsführer oder von Mitarbeitern erstellen?
Nur mit deren ausdrücklicher Einwilligung. HeyGen verlangt ein Consent-Video, in dem die abgebildete Person einen vorgegebenen Satz vorliest, mit genau einem sichtbaren Gesicht und klar hörbarem Ton. Die Moderationsrichtlinie stellt klar, dass das Erstellen von Avataren anderer Personen ohne ausdrückliche Einwilligung streng verboten ist und die abgebildete Person die Entfernung jederzeit verlangen kann. In Deutschland kommen Recht am eigenen Bild und Datenschutzrecht hinzu, im Beschäftigungsverhältnis also eine freiwillige, schriftliche und widerrufliche Einwilligung.
Wo liegen die Daten, und ist HeyGen DSGVO-konform einsetzbar?
HeyGen speichert alle Kundendaten nach eigenen Angaben in den USA auf AWS-Infrastruktur. Das Unternehmen ist nach SOC 2 Type II zertifiziert, gibt DSGVO-Konformität an, hat einen Datenschutzbeauftragten mit Sitz in Europa, ist nach dem EU-US Data Privacy Framework zertifiziert und setzt EU-Standardvertragsklauseln ein. Eine EU-Datenresidenz bietet HeyGen nicht an. Wer eine strikte EU-Datenhaltung vorschreibt, kommt damit nicht weiter, im Vergleichsfeld bietet nur Colossyan eine EU-Datenresidenz an, und zwar nur im Enterprise-Plan.
Welche Alternativen zu HeyGen gibt es?
Synthesia ab 29 US-Dollar pro Monat ist der direkteste Wettbewerber, klarer in Videominuten kalkulierbar und mit strengerer Consent-Prüfung. Colossyan ab 59 US-Dollar zielt auf Personalentwicklung mit SCORM-Export und bietet als einziger Anbieter im Feld eine EU-Datenresidenz im Enterprise-Plan. Tavus ab 22 US-Dollar ist eine Plattform für Echtzeit-Dialog-Avatare statt für fertige Marketingvideos, ElevenLabs ab 6 US-Dollar deckt Stimme und Dubbing hervorragend ab, ersetzt aber keinen Avatar-Editor. D-ID ist der günstigste Einstieg, die Preise ließen sich jedoch nicht auf der Anbieterseite verifizieren.
KI sinnvoll im Unternehmen einsetzen
Welche Aufgaben in Marketing, Vertrieb und Verwaltung lassen sich mit KI spürbar beschleunigen – und mit welchen Tools? In meiner KI-Beratung für den Mittelstand finden wir die passenden Anwendungsfälle, starten einen sauberen Pilot und nehmen Ihr Team mit – datenschutzkonform und im Einklang mit der KI-Verordnung.
Videoformate mit KI-Avataren sauber einführen
Der schwierige Teil ist nicht das Werkzeug, sondern die Entscheidung, welche Formate sich mit Avataren lohnen, welche nicht, und wie Sie Einwilligung und Kennzeichnung so aufsetzen, dass sie im Ernstfall halten. Ich baue mit Ihnen das Konzept, richte die Produktionsstrecke ein und sorge dafür, dass Ihre Videos die Anforderungen aus Artikel 50 der KI-Verordnung erfüllen.
Sie überlegen, KI-Avatar-Videos im Unternehmen einzuführen? Lassen Sie uns über Ihre Formate sprechen.







