Custom GPT erstellen: Anleitung, Grenzen und was 2026 gilt

Seit Mitte August 2026 lässt sich in einem privaten ChatGPT-Konto kein neuer Custom GPT mehr anlegen – weder in Free, Go, Plus noch Pro. Erstellen und Veröffentlichen gehen nur noch in Business-, Enterprise- oder Edu-Arbeitsbereichen, die bei zwei Plätzen zu je 25 US-Dollar pro Nutzer und Monat beginnen. Bestehende GPTs laufen weiter. Wer das nicht weiß, sucht die Schaltfläche „Erstellen" vergeblich. Diese Anleitung zeigt, was heute noch geht, wie ein brauchbarer Custom GPT entsteht – und warum Wissensdateien nichts Vertrauliches enthalten dürfen.

Was sich 2026 geändert hat

Die meisten deutschsprachigen Anleitungen stammen aus 2024 oder 2025 und beschreiben eine Welt, die es so nicht mehr gibt. Der wichtigste Punkt steht wörtlich in OpenAIs Hilfeartikel Creating and editing GPTs: „New GPT creation and publishing are not available on personal ChatGPT accounts, including Free, Go, Plus, and Pro." Ein Plus-Abo genügt also nicht mehr. Nach Berichterstattung Dritter trat die Änderung am 16. August 2026 in Kraft – dieses Datum ist allerdings nicht durch eine OpenAI-Mitteilung belegt, in den offiziellen Release Notes findet sich für den August kein entsprechender Eintrag. Belegt ist die Regel selbst, unsicher ist ihr Stichtag.

ThemaFrüher (2024/2025)Heute (September 2026)
GPT erstellenMit jedem bezahlten Konto, auch PlusNur in Business-, Enterprise- oder Edu-Arbeitsbereichen
GPT veröffentlichenJeder mit verifiziertem ProfilNur Arbeitsbereiche, und nur wenn der Admin es erlaubt
Agent-ModusEigener Modus für mehrstufige AufgabenEingestellt, ersetzt durch ChatGPT Work (Start 9. Juli 2026)
Assistants APISchnittstelle für eigene AssistentenAm 26. August 2026 abgeschaltet, Nachfolger ist die Responses API
App-VerzeichnisEigenes Verzeichnis für AppsAm 9. Juli 2026 ins Plugin-Verzeichnis überführt
Erstellen am HandyEingeschränktGar nicht – nur im Browser am Rechner
Bestehende GPTs–Laufen weiter und bleiben bearbeitbar, auch in privaten Konten

Wer vor 2026 etwas auf der Assistants API gebaut hat oder bauen ließ, sollte jetzt bei seiner Agentur nachfragen. Die Schnittstelle ist abgeschaltet, nicht bloß veraltet: Aus Assistants wurden Prompts, aus Threads Conversations, aus Runs Responses.

Wie sehr sich die Aufmerksamkeit verschoben hat, zeigen die Suchdaten. „chatgpt agent" fiel in Deutschland von 6.600 Suchen im August 2025 auf 1.300 im Juli 2026, ein Rückgang um rund 80 Prozent – der klassische Verlauf nach einem Produktstart und zugleich die Produktgeschichte in einer Kurve. „custom gpt" bleibt dagegen stabil zwischen 880 und 1.600 Suchen im Monat.

Suchanfragen pro Monat in Deutschland01.8153.6305.4457.260Aug 25SepOktNovDezJan 26FebMärAprMaiJunJul 261.300880140„chatgpt agent"„custom gpt"„custom gpt erstellen"
Suchvolumen in Deutschland, August 2025 bis Juli 2026. Der Einbruch bei „chatgpt agent" um rund 80 Prozent erzählt die Produktgeschichte. Quelle: DataForSEO, Google-Ads-Suchvolumen, Standort Deutschland, Sprache Deutsch, abgerufen am 5. September 2026.

Die dritte Kurve ist die interessanteste: „custom gpt erstellen" fällt von 480 Suchen im Oktober 2025 auf 140 im Juli 2026, also um rund 70 Prozent. Das ist genau die Erstellungsabsicht, die von der Sperre betroffen ist. Der Rückgang setzt allerdings deutlich vor August 2026 ein und lässt sich daher nicht allein damit erklären. Die Datenreihe endet im Juli 2026 und bildet die Sperre selbst noch nicht ab.

Vorsicht bei der deutschen Hilfeseite

Die deutschsprachige Fassung von Creating and editing GPTs nennt als Voraussetzung noch „zahlende ChatGPT-Nutzer:innen" und erwähnt die Sperre für private Konten nicht. Die englische Fassung ist aktueller und maßgeblich. Wer sich auf die deutsche Seite verlässt, plant mit veralteten Informationen.

Werkzeugwahl 2026
Custom GPT, Projekt, Work oder API?
Vier Fragen, eine Weiche – wählen Sie ein Vorhaben
Die Fragen, der Reihe nachDas passende Werkzeug
1Sollen mehrere Kolleginnen und Kollegen dasselbe wiederholt gleich tun??
Custom GPT seit 2026 nur Business
Wer darf? Business, Enterprise, EduGedächtnis: keins
2Arbeiten Sie über Wochen an einem abgegrenzten Vorhaben??
Projekt
Wer darf? alle Pläne, auch FreeGedächtnis: ja, projektbezogen
3Soll am Ende ein fertiges Dokument stehen, für das mehrere Arbeitsschritte nötig sind??
ChatGPT Work
Wer darf? Pro, Business, EnterpriseErsetzt den Agent-Modus
4Soll es in Website, CRM oder Shop eingebaut werden??
Responses API
Wer darf? jeder mit API-ZugangNötig: ein Entwickler
ErgebnisWählen Sie oben ein Vorhaben – die Fragen werden der Reihe nach geprüft.
Die Fragen werden der Reihe nach geprüft – beim ersten Ja steht das Werkzeug fest.Custom GPT – eine wiederverwendbare Rolle für viele Nutzer. Neu anlegen lässt er sich seit 2026 nur noch im Business-, Enterprise- oder Edu-Arbeitsbereich, ein Plus-Abo genügt nicht mehr.Projekt – bündelt Chats, Dateien und Kontext über Wochen, in jedem Plan verfügbar und mit Gedächtnis. Die praktikable Alternative für alle ohne Arbeitsbereich.ChatGPT Work – für mehrstufige Aufgaben mit fertigem Ergebnis. Seit 9. Juli 2026 der Nachfolger des eingestellten Agent-Modus.Responses API – ein Custom GPT ist kein Produktbaustein, sondern eine Konfiguration innerhalb von ChatGPT. Für den Einbau braucht es Schnittstelle und Entwickler.
Entscheidungshilfe nach den Fragen und der Vergleichstabelle in diesem Artikel, Stand September 2026. Die vier Vorhaben sind Beispiele.

Custom GPT, Projekt, Work-Modus oder Schnittstelle

Bevor Sie bauen, klären Sie, ob ein Custom GPT überhaupt das richtige Werkzeug ist. In vielen Fällen im Mittelstand ist er es nicht – und seit der Zugangssperre ist die Alternative für alle ohne Arbeitsbereich sogar die einzig praktikable.

MerkmalCustom GPTProjektChatGPT WorkResponses API
Wer darf?Nur Business, Enterprise, EduAlle Pläne, auch FreePro, Business, EnterpriseJeder mit API-Zugang
ZweckEine wiederverwendbare Rolle für viele NutzerEin Vorhaben mit Chats, Dateien, Kontext bündelnMehrstufige Aufgabe mit fertigem ErgebnisEigene Software mit KI-Logik
GedächtnisKeins, jeder Chat startet neuJa, projektbezogenAufgabenbezogenSelbst gebaut
DateienBis 20 (siehe Widerspruch unten), je bis 512 MB5 bis 40 je nach PlanAd hoc, am Desktop auch lokalEigene Vektorspeicher
TeilenFünf Stufen bis hin zum GPT StoreMitglieder, Gruppen, LinkPersönlichBeliebig
Wann nehmen?Mehrere Menschen erledigen dieselbe Aufgabe wiederholt gleichEine Person arbeitet über Wochen an einem VorhabenAm Ende soll ein Report, ein Deck, eine Tabelle stehenEinbau in Website, CRM oder Shop

Für alle ohne Business-Arbeitsbereich sind Projekte die praktikable Alternative. Sie sind in jedem Plan verfügbar, nehmen Dateien auf, haben Projektanweisungen und etwas, das ein GPT ausdrücklich nicht hat: ein Gedächtnis. Wer heute einen Custom GPT bauen wollte, aber keinen Arbeitsbereich hat, richtet stattdessen ein Projekt mit sauberen Anweisungen ein und kommt damit weit. Der Unterschied bleibt: Ein Projekt gehört einem kleinen Kreis, ein GPT skaliert über das ganze Team.

Vier Fragen genügen: Sollen mehrere Kolleginnen und Kollegen dasselbe wiederholt gleich tun? Dann Custom GPT. Arbeiten Sie über Wochen an einem abgegrenzten Vorhaben? Dann Projekt. Soll am Ende ein fertiges Dokument stehen, für das mehrere Arbeitsschritte nötig sind? Dann ChatGPT Work. Soll es in Website, CRM oder Shop eingebaut werden, führt kein Weg an der Responses API und damit an einem Entwickler vorbei – ein Custom GPT ist kein Produktbaustein, sondern eine Konfiguration innerhalb von ChatGPT.

Custom GPT erstellen: die Schritte im Konfigurator

Vorausgesetzt, Sie haben einen Business-, Enterprise- oder Edu-Arbeitsbereich, die Berechtigung zum Erstellen und einen Browser am Rechner. Der Weg führt über die Seitenleiste zu „GPTs entdecken" oder direkt zu chatgpt.com/gpts, dann auf „Erstellen". Dort gibt es zwei Modi: Der dialogbasierte Builder fragt im Chat, was der GPT tun soll, und schreibt die Anweisungen selbst – bequem und für ernsthafte Anwendungen zu ungenau. Wechseln Sie oben auf „Konfigurieren". Nur dort haben Sie volle Kontrolle über Anweisungen, Wissen und Aktionen.

  1. Name. Der Titel, den Nutzer in der Suche, im Store und oben im Chat sehen. Funktion schlägt Fantasie: „Angebots-Texter Zerspanung" schlägt „Vertriebs-KI". Eine Zeichengrenze ist nicht dokumentiert; 30 bis 50 Zeichen sind praktikabel.
  2. Beschreibung. Kein Slogan, sondern eine Bedienungsanleitung in einem Satz mit Ergebnis, Zielgruppe und benötigtem Input. Gut: „Erstellt aus einer Kundenanfrage einen Angebotstext nach unserem Standardaufbau. Für den Vertriebsinnendienst. Braucht Anfragetext, Stückzahl, Werkstoff, Wunschtermin."
  3. Anweisungen. Das Herzstück: was der GPT tut, wie er antwortet, was er unterlässt. Aufbau siehe nächster Abschnitt. Eine Zeichenobergrenze nennt die aktuelle Dokumentation nicht; die oft zitierten 8.000 Zeichen sind durch keine 2026 abrufbare OpenAI-Quelle gedeckt.
  4. Gesprächseinstiege. Die Beispielprompts beim Öffnen – Ihre Onboarding-Fläche und das am meisten unterschätzte Feld. Zeichnen Sie den kompletten Input vor: „Anfrage einfügen und Angebotstext erzeugen" statt „Angebot schreiben".
  5. Wissen. Referenzmaterial, aus dem der GPT schöpft. Zu den Grenzen gleich mehr.
  6. Empfohlenes Modell. Eine Empfehlung, keine Erzwingung. Wichtig, weil Modelle abgeschaltet werden: 2026 gingen unter anderem GPT-4o, GPT-5.1, GPT-5.2, o3 und GPT-4.5 vom Netz. Setzen Sie sich einen Quartalstermin „GPTs prüfen".
  7. Funktionen. Websuche, Bildgenerierung, Canvas, Code Interpreter und Datenanalyse sowie Apps. Nur einschalten, was Sie brauchen. Datei-Downloads funktionieren nur mit Code Interpreter – und genau der ist das größte Datenschutzrisiko.
  8. Aktionen. Anbindungen an eigene Schnittstellen. Nötig sind ein OpenAPI-Schema in JSON oder YAML, eine Authentifizierung (keine, API-Schlüssel oder OAuth) und bei öffentlichen GPTs eine Datenschutz-URL. Im Pro-Modus laufen Aktionen nicht, Arbeitsbereiche ohne freigegebene Domain blockieren sie ganz.
  9. Testen. Fünf Tests in der Vorschau: der Normalfall, der unvollständige Input, der Grenzfall (etwas, das er ablehnen soll), der Themenwechsel und eine Frage, die nur mit der Wissensdatei zu beantworten ist.
  10. Sichtbarkeit. Fünf Stufen, siehe Tabelle unten. Erst danach an das Team geben.

Wissensdateien: die Limits und ein dokumentierter Widerspruch

Die Artikel Knowledge in GPTs und Creating and editing GPTs nennen übereinstimmend bis zu 20 Dateien mit je bis zu 512 MB. Die File Uploads FAQ spricht dagegen von „up to 10 files per GPT for the lifetime of that GPT". Beide Seiten waren am 5. September 2026 abrufbar und beide wurden kurz zuvor aktualisiert. Ich halte den Widerspruch fest, statt eine Zahl als Wahrheit zu verkaufen – und rate, mit 10 Dateien zu planen. Das ist ohnehin die bessere Praxis.

  • Formate: XLSX, XLS, CSV, TSV, DOCX, PPTX, PDF und TXT. Google Docs werden nicht unterstützt, exportieren Sie als PDF oder DOCX. Textmenge bis 2 Millionen Token pro Datei, Tabellen rund 50 MB, Bilder 20 MB.
  • Aufbewahrung: Wissensdateien bleiben gespeichert, bis Sie den GPT löschen. Das Löschen ist damit ein wirksamer Schritt.
  • Was besser funktioniert: Textdateien statt layoutlastiger PDFs. OpenAIs Troubleshooting-Artikel empfiehlt, PDFs zu vereinfachen und für Bilder Textbeschreibungen zu ergänzen. Ihr schön gesetztes 60-seitiges Produkt-PDF ist die schlechteste denkbare Wissensdatei.
  • Die eine Regel: „Use knowledge for reference material, not rules or behavior." Regeln, Tonalität und Ablauf gehören in die Anweisungen, Fakten ins Wissen. Wer den Styleguide als PDF hochlädt und sich wundert, dass der GPT sich nicht daran hält, hat genau diesen Fehler gemacht.

Sichtbarkeit: fünf Stufen, und welche Sie wählen sollten

StufeBedeutungEinsatz im Mittelstand
Nur für EingeladeneZugriff auf Sie oder benannte Personen und Gruppen begrenztPilotphase, sensible Inhalte
Arbeitsbereich mit LinkJeder im Arbeitsbereich, der den Link hatRollout an eine Abteilung
Gesamter ArbeitsbereichZugriff für die ganze OrganisationEtablierte Werkzeuge, der Regelfall
Jeder mit LinkÖffentlich per Link, sofern freigeschaltetKunden- oder Partnerwerkzeuge
GPT StoreÖffentliche Distribution im StoreReichweite, selten sinnvoll

Für die beiden öffentlichen Stufen brauchen Sie ein Ersteller-Profil mit Ihrem Namen und einem Link von einer verifizierten Domain, bei Aktionen zusätzlich eine gültige Datenschutz-URL, und der Admin muss öffentliches Veröffentlichen erlauben. Meine Empfehlung für den Mittelstand: „Gesamter Arbeitsbereich" ist die richtige und die höchste sinnvolle Stufe. Ab „Jeder mit Link" verlassen Ihre Anweisungen und Dateien faktisch den geschützten Raum. Warum, steht weiter unten.

Wie gute Anweisungen aufgebaut sind

Anweisungen sind kein Fließtext, sondern ein Arbeitsauftrag mit Struktur. Sechs Blöcke, immer in dieser Reihenfolge: Rolle (wer bist du, für wen arbeitest du), Aufgabe (was ist das Ergebnis, genau eine Sache), Ablauf (in welchen Schritten), Format (wie sieht die Ausgabe aus), Grenzen (was tust du nicht, wann fragst du nach) und Beispiele (ein bis zwei Muster von Eingabe zu Ausgabe). Die Reihenfolge ist kein Zufall: Das Modell liest von oben, die Rolle rahmt alles Folgende, die Beispiele wirken als letzte Kalibrierung. Die folgende Anweisung können Sie übernehmen und anpassen.

Beispielanweisung zum Übernehmen: „Angebots-Texter"

ROLLE: Du bist Textassistenz im Vertriebsinnendienst eines mittelständischen Zerspanungsbetriebs mit 90 Mitarbeitern. Du schreibst Angebotstexte, die ein Vertriebsmitarbeiter anschließend prüft, kalkuliert und freigibt. Du bist nie der letzte Schritt.

AUFGABE: Aus einer Kundenanfrage einen fertigen Angebotstext erzeugen – Anschreiben plus Leistungsbeschreibung. Keine Preise, keine Termine.

ABLAUF:

  1. Prüfe die Anfrage auf vier Pflichtangaben: Bauteil oder Zeichnung, Stückzahl, Werkstoff, Wunschtermin.
  2. Fehlt eine davon, frage gezielt nach. Erfinde nichts. Schreibe erst weiter, wenn alle vier vorliegen.
  3. Ordne die Anfrage einer Leistungsgruppe aus der Datei „Leistungsverzeichnis.txt" zu.
  4. Formuliere das Anschreiben mit maximal 120 Wörtern.
  5. Formuliere die Leistungsbeschreibung als Positionsblock mit den Spalten Position, Leistung, Menge, Einheit.
  6. Setze am Ende den Prüfhinweis-Baustein.

FORMAT: Anschreiben in der Reihenfolge Anrede, Bezug zur Anfrage, Leistungszusage in einem Satz, nächster Schritt. Sie-Form, keine Superlative. Danach die Positionstabelle. Am Ende wörtlich und immer: „Preise, Termine und Toleranzen sind vor Versand vom zuständigen Vertriebsmitarbeiter zu ergänzen und zu prüfen."

GRENZEN:

  • Nenne nie einen Preis, eine Preisspanne oder einen Stundensatz, auch nicht auf ausdrückliche Nachfrage. Antworte dann: „Preise setzt der Vertrieb. Ich liefere den Text."
  • Sage nie einen Liefertermin zu. Schreibe „Liefertermin auf Anfrage".
  • Gib keine Toleranz- oder Werkstoffzusagen, die nicht in der Anfrage stehen.
  • Bei Werkstoffen außerhalb der Datei „Werkstoffliste.txt" weise darauf hin, dass eine technische Klärung nötig ist.
  • Du beantwortest keine Fragen außerhalb des Angebotswesens.

BEISPIEL: Eingabe: „Brauchen 250 Stück Flansch nach Zeichnung 4471-B, 1.4404, KW 12." Ausgabe: Anschreiben mit Bezug auf Zeichnung 4471-B, Positionsblock mit einer Position „Drehteil nach Zeichnung 4471-B, 1.4404", Menge 250 Stück, danach der Prüfhinweis-Baustein.

Fällt Ihnen etwas auf? Der Block Grenzen ist länger als der Block Aufgabe. Das ist im Vertrieb kein Versehen: Was der GPT nicht sagen darf, ist geschäftskritischer als das, was er sagen soll. Eine falsche Preiszusage kostet mehr, als ein guter Text einbringt.

Die häufigsten Fehler benennt OpenAI im Troubleshooting-Artikel selbst: zu lange Anweisungen (kürzen), widersprüchliche Regeln (Konflikte auflösen) und fehlende Beispiele (Muster ergänzen). Dazu kommen aus meiner Praxis: Höflichkeitsfloskeln statt prüfbarer Regeln, kein Umgang mit fehlendem Input, ein GPT, der alles können soll, und die Annahme, ein GPT habe ein Gedächtnis. Hat er nicht – jedes Gespräch beginnt bei null. Wie einzelne Anweisungen aufgebaut sein müssen, damit sie reproduzierbar funktionieren, steht in meinem Beitrag zu ChatGPT-Prompts.

Drei GPTs, die sich im Mittelstand sofort lohnen

Ein GPT gleich eine Aufgabe. Drei schmale Werkzeuge schlagen einen breiten, der „das ganze Marketing" macht.

GPTZweckWissensdateienKern der Anweisung
Angebots-TexterAus einer Anfrage einen prüffähigen Angebotstext machen, den der Vertrieb nur noch kalkuliertLeistungsverzeichnis, fünf anonymisierte Musterangebote, Werkstoffliste, AGB-KurzfassungVier Pflichtangaben erzwingen, nie Preise oder Termine nennen, Prüfhinweis immer anhängen
LinkedIn-Beiträge im MarkentonAus Stichwort, Link oder Notiz drei Postvarianten zur Auswahl erzeugen15 gelungene Beispielposts als Textdatei, Fachglossar, Liste verbotener FormulierungenDrei Einstiege (Zahl, Praxisfrage, Beobachtung), Verbotsliste, keine Behauptungen ohne Beleg im Input
Messe-Leads qualifizierenAus einer Gesprächsnotiz eine strukturierte Bewertung mit nächstem Schritt machenZielkundenprofil, Produktkatalog-Übersicht, WettbewerbsübersichtFehlende Angaben als „nicht erfragt" markieren statt schätzen, A/B/C nach festen Kriterien, bewerten statt entscheiden

Beim LinkedIn-GPT steckt die eigentliche Steuerung in der Verbotsliste. „revolutionär", „Game Changer", „Lösungen aus einer Hand", „Wir freuen uns, bekannt zu geben" – konkrete Negativbeispiele wirken stärker als jede abstrakte Beschreibung wie „professionell, aber nahbar". Ergänzen Sie die Liste um die Formulierungen, die Ihnen in Ihren eigenen Posts auffallen.

Beim Messe-Lead-Check steckt der Kniff in einer einzigen Zeile im Ablauf: Nicht genannte Angaben werden ausdrücklich als „nicht erfragt" markiert, nie als „unbekannt" und nie geschätzt. Das zwingt den GPT, Lücken sichtbar zu machen, statt sie zu füllen – und macht aus dem Werkzeug nebenbei ein Coaching-Instrument fürs Messeteam. „Du bewertest, du entscheidest nicht" ist dabei kein Stilmittel: OpenAIs Nutzungsrichtlinien untersagen automatisierte Entscheidungen ohne menschliche Prüfung in sensiblen Bereichen, und in der EU kommt der AI Act dazu.

Wer parallel Claude im Einsatz hat: Das gleiche Prinzip – feste Anweisungen plus mitgelieferte Dateien – heißt dort Claude Skills.

Das Sicherheitsproblem: Wissensdateien sind nicht vertraulich

Das ist der Abschnitt, den die meisten Anleitungen auslassen. Er ist der wichtigste. Was Sie in die Anweisungen oder in die Wissensdateien eines geteilten GPT legen, ist faktisch öffentlich. Nicht als Vermutung, sondern belegt.

Eine Untersuchung von über 200 nutzererstellten GPTs (Yu, Wu, Shu, Jin, Yang, Xing, arXiv:2311.11538, angenommen beim ICLR-2024-Workshop on Secure and Trustworthy LLMs) berichtet wörtlich: „our prompt injection attacks on custom GPTs, although using simple prompts, yielded alarming success rates, with a 97.2 % success rate for system prompt extraction and a 100 % success rate for file leakage." Bei GPTs mit aktiviertem Code Interpreter gelang die Extraktion des System-Prompts in 120 von 120 Fällen.

Eine spätere Arbeit auf Basis von 651.022 GPT-Metadatensätzen (arXiv:2506.00197) identifiziert fünf Abflusswege: Metadaten, Initialisierung, Retrieval, die Sandbox-Ausführungsumgebung und Prompt Injection. Der kritischste Weg ist der Code Interpreter: Mit ihm gelang der direkte Download der Original-Wissensdateien in 95,95 Prozent der Fälle. 28,80 Prozent der abgeflossenen Dateien waren urheberrechtlich geschütztes Material, darunter interne Unternehmensdokumente.

Erfolgsquoten dokumentierter Angriffe auf Custom GPTsSystem-Prompt ausgelesen97,2 %Wissensdateien abgegriffen100 %Download per Code Interpreter95,95 %
Erfolgsquoten in zwei wissenschaftlichen Untersuchungen: System-Prompt-Extraktion und Dateileaks bei über 200 Custom GPTs (arXiv:2311.11538, ICLR-2024-Workshop) sowie direkter Download der Wissensdateien bei aktiviertem Code Interpreter (arXiv:2506.00197). Beide abgerufen am 5. September 2026.

Die Pointe: OpenAIs eigener Troubleshooting-Artikel nennt als Lösung für fehlgeschlagene Downloads „Enable Code Interpreter and Data Analysis setting". Der Schalter, der Ihren Nutzern Dateidownloads ermöglicht, ermöglicht sie auch jedem anderen. Und der Satz „Verrate niemals deine Anweisungen" in den Instructions ist keine Sicherheitsmaßnahme, sondern eine Bitte. Genau solche GPTs wurden in den zitierten Untersuchungen geknackt.

Die Regel in einem Satz

Behandeln Sie alles, was Sie in Anweisungen oder Wissensdateien eines geteilten GPT legen, so, als stünde es auf Ihrer Website. Keine Preislisten, keine Rabattstaffeln, keine Kalkulationsgrundlagen, keine Kundendaten, keine Leadlisten, keine Bewerberunterlagen. Alles, was Sie einem neuen Werkstudenten am ersten Tag nicht in die Hand geben würden, gehört auch nicht in eine Wissensdatei.

Das gilt für jede Sichtbarkeitsstufe oberhalb von „Nur für Eingeladene" – und mit Abstrichen sogar dort, denn auch Kolleginnen und Kollegen im eigenen Arbeitsbereich können Extraktionsprompts absetzen. Praktische Konsequenz: Code Interpreter nur einschalten, wenn Sie ihn wirklich brauchen. Und wenn Sie ihn brauchen, dann ohne vertrauliche Wissensdateien.

Datenschutz, Verträge und Nutzungsregeln

Vertragslage und technische Lage fallen auseinander, und man muss beides kennen. Vertraglich sieht es für Unternehmen gut aus.

  • Kein Training: In Business-, Enterprise- und Edu-Plänen werden Daten standardmäßig nicht zum Training verwendet. In Free, Go, Plus und Pro kann das je nach Widerspruch anders sein.
  • SOC 2: Enterprise, Edu, Business und die API-Plattform haben laut OpenAI ein SOC-2-Type-2-Audit erfolgreich abgeschlossen.
  • Auftragsverarbeitung: Für Business, Enterprise und API ist ein Data Processing Addendum abschließbar – für DSGVO-Konformität zwingend, sobald personenbezogene Daten im Spiel sind.
  • Aufbewahrung: Enterprise und Edu steuern die Speicherdauer selbst, bei Business tun das die Admins. Gelöschte Konversationen werden innerhalb von 30 Tagen entfernt.
  • Einblick: Ersteller können einzelne Nutzergespräche nicht einsehen. In verwalteten Arbeitsbereichen stehen Konversationen mit GPTs aber in der Compliance-Plattform – Ihre Admins können auditieren.

Aus den Nutzungsrichtlinien (Stand 29. Oktober 2025) folgen vier Grenzen für Marketing- und Vertriebs-GPTs: keine Identitätstäuschung, keine zulassungspflichtige Beratung ohne zugelassenen Fachmann, keine unbefugte Profilbildung über Dritte und keine automatisierten Entscheidungen ohne menschliche Prüfung in sensiblen Bereichen wie Beschäftigung, Finanzen oder Recht. Ein GPT, der Bewerbungen eigenständig aussortiert, ist richtlinienwidrig. Einer, der eine Vorbewertung erstellt, die ein Mensch prüft, ist unproblematisch.

Meine Einschätzung: Der Business-Arbeitsbereich ist die Position, an der man nicht sparen sollte. Ab zwei Plätzen zu 25 US-Dollar bekommt man Admin-Kontrolle, ChatGPT Work, den Verzicht auf Training mit den eigenen Daten – und überhaupt erst die Möglichkeit, GPTs zu bauen. Was man dagegen nicht erwarten sollte, sind Einnahmen: Das 2024 angekündigte Vergütungsprogramm für GPT-Ersteller taucht in der aktuellen OpenAI-Dokumentation nicht mehr auf, und ob es je über einen US-Pilotbetrieb hinausging, ist aus Primärquellen nicht belegbar. Rechnen Sie mit interner Effizienz, nicht mit Umsatz.

Häufige Fragen

Kann man mit ChatGPT Plus noch einen Custom GPT erstellen?

Nein. Laut OpenAI-Hilfeseite „Creating and editing GPTs" sind das Erstellen und Veröffentlichen neuer GPTs in privaten Konten nicht mehr verfügbar, ausdrücklich auch nicht in Free, Go, Plus und Pro. Sie brauchen einen Business-, Enterprise- oder Edu-Arbeitsbereich. Bestehende GPTs lassen sich weiterhin nutzen und bearbeiten, sofern Plan und Berechtigungen passen.

Was kostet es, einen Custom GPT zu erstellen?

Der GPT selbst kostet nichts, der Zugang schon. Ein ChatGPT-Business-Arbeitsbereich verlangt mindestens zwei bezahlte Plätze zu je 25 US-Dollar pro Nutzer und Monat bei monatlicher Zahlung, bei Jahreszahlung 20 US-Dollar. Das kleinste Team startet also bei rund 50 US-Dollar im Monat. Preise in Euro und die deutsche Umsatzsteuerbehandlung nennt OpenAI in den Hilfeartikeln nicht.

Was ist der Unterschied zwischen einem Custom GPT und einem ChatGPT-Projekt?

Ein Custom GPT ist eine Rolle für viele Menschen: einmal konfiguriert, arbeitet er für alle Berechtigten immer gleich, hat aber kein Gedächtnis über Gespräche hinweg. Ein Projekt ist ein Arbeitsplatz für ein Vorhaben: eine Person oder ein kleines Team bündelt dort Chats, Dateien und Kontext über Wochen. Projekte sind in jedem Plan verfügbar, auch in Free, GPTs nur in Business, Enterprise und Edu.

Wie viele Dateien kann ich in einen Custom GPT hochladen?

Die OpenAI-Dokumentation ist an dieser Stelle widersprüchlich. „Knowledge in GPTs" und „Creating and editing GPTs" nennen 20 Dateien mit je bis zu 512 MB, die „File Uploads FAQ" dagegen 10 Dateien pro GPT. Planen Sie sicherheitshalber mit 10 gut zusammengefassten Dateien. Wenige, saubere Textdateien wirken ohnehin besser als viele layoutlastige PDFs.

Sind meine Wissensdateien in einem Custom GPT sicher?

Vertraglich ja, technisch nein. In Business-, Enterprise- und Edu-Plänen trainiert OpenAI nach eigenen Angaben nicht mit Ihren Daten, es gibt SOC-2-Type-2-Audits und einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Untersuchungen zeigen aber Extraktionsquoten von 97,2 Prozent für System-Prompts und 100 Prozent für Dateileaks bei über 200 untersuchten GPTs. Laden Sie deshalb nichts hoch, was nicht auch auf Ihrer Website stehen könnte.

Kann ich meinen Custom GPT mit anderen teilen?

Ja, in fünf dokumentierten Stufen: nur für Eingeladene, Arbeitsbereich mit Link, gesamter Arbeitsbereich, jeder mit Link und GPT Store. Für die beiden öffentlichen Stufen brauchen Sie ein verifiziertes Ersteller-Profil mit einer Domain, bei Actions zusätzlich eine gültige Datenschutz-URL, und Ihr Admin muss das Veröffentlichen erlauben. Für den Mittelstand ist „gesamter Arbeitsbereich" in der Regel die richtige und höchste sinnvolle Stufe.

Was ist aus dem ChatGPT Agent-Modus geworden?

Der Agent-Modus ist abgeschaltet. Auf der zugehörigen Hilfeseite steht, dass ChatGPT Agent nicht mehr verfügbar ist und für längere, mehrstufige Aufgaben ChatGPT Work genutzt werden soll. ChatGPT Work wurde laut Release Notes am 9. Juli 2026 eingeführt und erstellt Dokumente, Tabellen, Präsentationen und Reports. Aufgaben mit fertigem Ergebnis gehören dorthin, nicht in einen Custom GPT.

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Custom GPTs sind 2026 kein Reichweiteninstrument mehr, sondern ein internes Effizienzwerkzeug – vorausgesetzt, der Zugang stimmt, die Anweisungen sind sauber und in den Wissensdateien steht nichts, was nicht auch auf Ihrer Website stehen dürfte. Genau diese drei Punkte gehen in der Praxis am häufigsten schief.

Ich richte unternehmensweite KI-Assistenten ein: Arbeitsbereich aufsetzen, Anwendungsfälle auswählen, Anweisungen schreiben, Team schulen – und dazu eine schriftliche Regel, was in Wissensdateien darf und was nicht.

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